Kennen Sie noch die WTO?

 

Freihandel. Jüngeren Landwirten muss man es fast schon erklären: es gibt eine Welthandelsorganisation namens WTO mit Sitz in Genf. Dort wurden in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts diverse weltweit gültige Handelsregeln abgeschlossen. Das Ziel war ein weltweiter Freihandel oder doch zumindest weitgehender Freihandel. Seit Anfang dieses Jahrhunderts wurde zwar noch viel verhandelt, aber immer ergebnislos. Soweit zur Geschichte.

Was die Zukunft angeht, so spricht heute niemand mehr von der WTO als Institution, die Regeln für einen freieren Welthandel ausarbeitet. Längst haben bilaterale Abkommen diese Rolle übernommen. Wenn man sich nicht unter 164 Ländern auf gemeinsame Regeln einigen kann, dann geht es unter zwei oder drei Ländern/Ländergruppen doch viel leichter. Das jüngst zum G 20-Gipfel in Hamburg präsentierte Freihandelsabkommen mit Japan ist ein Beispiel unter vielen dazu. Seit Jahren schon verhandelt die EU mit der südamerikanischen Mercosur-Gruppe; erst im März wieder mit einem neuen Anlauf. Auch die Australier haben mit den Mercosur-Ländern Freihandelsgespräche aufgenommen. Mit Mexiko ist die EU im Gespräch, mit China haben die Australier 2016 ein Zollabkommen geschlossen. CETA ist gerade in Kraft getreten und die Chinesen versuchen, mit allen möglichen afrikanischen Ländern ins Freihandelsgeschäft zu kommen.

Mit den asiatischen Staaten sowieso, nachdem die USA sich dort zurückgezogen haben. Mit schnellen erfolgen sollten wir jedoch nicht rechnen, auch wenn gerade die EU-Kommission allenthalben ihren Willen zu mehr Freihandel bekundet. Denn mit den Briten geht ein starker Befürworter des Freihandels aus der Gemeinschaft, und die eher protektionistisch eingestellten EU-Länder werden damit stärker. Denken Sie nur an Belgien. Der EU-Gerichtshof hat zudem erst in diesem Frühjahr entschieden, dass nicht nur alle EU-Länder einem Freihandelsvertrag zustimmen müssen, sondern auch Teilrepubliken wie die Wallonie. Was das bedeutet, haben wir vor einem Jahr beim Abschluss von CETA mit Kanada gesehen.

Dabei wäre Freihandel wichtig. Auch wenn wir dann mehr Agrarrohstoffe importieren müssten, am Ende wäre die Bilanz positiv. Denn es geht nicht nur um Zölle, sondern auch um klare Regeln für die Importe. Hygienische, produktionstechnische und nicht zuletzt soziale Aspekte lassen sich zu unseren Gunsten in ein Vertragswerk einbauen. und steigende Kaufkraft in den Partnerländern sorgt dort auch für eine wachsende Nachfrage nach veredelten Produkten – auch das ist gut für unseren Export.

Schade, dass Freihandel bei uns so einen schlechten Ruf genießt.

 

Dr. Christian Bickert