Ja, mach nur einen Plan ...

 

Tierwohl. Vielleicht ja noch vor der Bundestagswahl wird das Bundeslandwirtschaftsministerium den Entwurf einer nationalen Nutztierstrategie vorstellen. Man bindet am »runden Tisch« möglichst viele Interessen zusammen und gibt den Landwirten Sicherheit für die nächsten 20 Jahre. Diese Idee hatte bereits – zu biblischen Zeiten – der Prophet Jesaja: »Wolf und Lamm sollen weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind«.
Wer glaubt aber ernsthaft, dass in unserer profanen Welt die ISN gemeinsam mit PETA weidet? Oder der Bauernverband mit der AbL? Dass die Nichtregierungsorganisationen ihr Geschäftsmodell aufgeben, die Grünen ihren Markenkern und die Nachbarn eines Stalles ihren Geruchssinn? Die nationale Nutztierstrategie darf keine Heilserwartung werden. Drei Punkte scheinen mir unterbelichtet zu sein.

Erstens: Die Bereitschaft der Verbraucher, ihr Einkaufsverhalten tatsächlich zu ändern und nicht nur in Umfragen, wird überschätzt. Unterschätzt werden dagegen die Kosten von Tierwohlmaßnahmen, wenn diese die verbreiteten Erwartungen erfüllen sollen.

Zweitens: Höhere Kosten vertragen sich nicht mit »grenzenlosen« Märkten. Freiwillige Teillösungen werden immer ein Glaubwürdigkeitsdefizit haben. Lösen ließe sich das Dilemma nur mit einer zweckgebundenen Fleischsteuer.

Drittens: Für einen großen Teil der Bürger bedeutet Tierwohl kleine Bestände oder Weidegang. Fachlich sind eher Fragen des Bestandsmanagements relevant. Wie soll es da zum »breiten gesellschaftlichen Konsens« kommen? Belastbare Lösungen für die Tierhaltung sind nicht unmöglich. Doch sie erfordern mehr Realitätssinn und weniger Wunschdenken.

 

Thomas Preuße