Die Perspektive fehlt

 

Rapsmarkt. Man muss schon etwas weiter zurückblicken, um auf Rapspreise unterhalb des derzeit herrschenden Niveaus zu stoßen. Im Frühjahr 2016 war das zuletzt der Fall gewesen, bevor sich die Ernteaussichten eingetrübt hatten und die Preise bis zum Jahresende auf 390 €/t geklettert waren. Mit Blick nach vorne mag sich da heute manch einer wünschen, das Rad zwei Jahre zurückdrehen zu können. Denn eine ähnliche Entwicklung ist für die kommenden Monate beim besten Willen nicht absehbar. Schlimmer noch: Aktuell ist überhaupt nichts absehbar, das die Notierungen auf neue Höhen treiben könnte. Eher im Gegenteil.

Es ist ein explosives Gemisch von Einflüssen, das dem Rapsmarkt die Luft abdreht: Zum einen gibt es zu viel Raps, egal ob in Kanada, Australien und der Ukraine – die für die EU die Hauptlieferländer sind – oder in der EU selbst. Zum anderen gilt das Gleiche auch für den Sojamarkt. Vom Palmölmarkt ganz zu schweigen. Erschwerend kommen die Entscheidungen von Welthandelsorganisation und Europäischem Gerichtshof hinzu, die EU-Importzölle auf Biodiesel aus Argentinien und Indonesien zu kippen. Da den beiden Ländern die USA als Absatzmarkt (ironischerweise aufgrund von Antidumpingzöllen) weggebrochen sind, drängt deren Ware nun in die EU und belastet den Rapsmarkt zusätzlich. Als wäre all das noch nicht genug, denkt Brüssel noch immer laut darüber nach, Biokraftstoffe aus heimischer Biomasse faktisch abzuschaffen. Das wäre dann wohl der Todesstoß für den Rapsanbau in der EU. Aktuell kann man jedem Rapsanbauer nur sagen: Schrauben Sie ihre Erwartungen herab – nicht nur für dieses Jahr.

 

Markus Wolf