Abwegig

 

Pachtverträge. Mit dem Modellprojekt »Fairpachten« wollen Naturschützer erreichen, dass mehr Agrarfläche für den Erhalt der Artenvielfalt genutzt wird. Ziel sind Module und Musterpachtverträge, die eine »umweltverträgliche Flächenbewirtschaftung« vorschreiben. Zudem wollen sie für die Grundbesitzer ein Beratungsnetzwerk etablieren, das fachlich vom Bundesamt für Naturschutz betreut wird. Mit im Boot ist somit das Bundesumweltministerium (BMU). Es unterstützt die Idee einer Naturschutzklausel in Pachtverträgen mit einer Finanzspritze von 935 000 €.

Es ist offensichtlich und nicht neu, dass dem Umweltministerium das Engagement der Landwirte für Biodiversität im Rahmen von Greening, freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen oder des Vertragsnaturschutzes nicht ausreicht. Es will ja auch die Verwendung von Glyphosat an zusätzliche ökologische Ausgleichsflächen binden. Aber es kann nicht sein, dass die Politik – und sei es auch nur indirekt – privatwirtschaftliche Verträge heranzieht, wo sie über das Ordnungsrecht offenbar nicht weiterkommt.

Knapp 60 % der Agrarfläche werden an Landwirte zur Bewirtschaftung verpachtet. Immerhin eine halbe Million Hektar davon befinden sich im Eigentum der Kirchen. Man kann sich leicht vorstellen, dass vor allem diese und die Kommunen an einem solchen mit Steuergeldern geförderten »Werkzeugkasten« Gefallen finden und ihre Verträge anpassen. Wieder einmal fehlt Umweltschützern und BMU die Einsicht, dass mehr Biodiversität sinnvoll nur mit den Bewirtschaftern umzusetzen ist und nicht gegen sie. Beratung und Gelder bei den Landwirten anzusiedeln, wäre der größere Hebel.

 

Thomas Künzel